Nach unserer Ankunft in Bangkok müssen wir uns zunächst ein wenig von dem langen Flug erholen. Nach einem kurzen Nickerchen machen wir uns auf den Weg zur Chinatown Bangkok, einem der ältesten Stadtteile von Bangkok. Zu Fuß wäre es von unserem Hotel in Banglampoo etwas weit.
Aber von unserer vorigen Reise durch Südthailand kennen wir ja den Pier beim Navalai River Resort. Von dort aus bringt uns ein Expressboot über den Chao Phraya bis zum Ratchawong Pier. Diese Fähre ist mit 40 Baht pro Person etwas teurer als die langsamen Fähren, hält dafür aber nicht an jedem Pier.
Außerdem erzählt ein gelangweilter Thai übers Mikro, welche Sightseeing-Objekte vom jeweils nächsten Halt am besten zu erreichen sind. Auch positiv fallen uns die vielen leeren Plätze auf. Es scheint, als fördern billige Länder den Geiz, sodass die meisten Touristen lieber auf die noch billigeren alten Fähren warten.
Fahrt mit der Schnellfähre nach Chinatown, kurzer Spaziergang durch die Straßen des quirligen Viertels mit Abstecher zum Wat Traimit.
Beim Ratchawong Pier Nr. 5 verlassen wir die Fähre. Die davon ausgehende, gleichnamige Straße führt uns direkt in das Herz von Chinatown. Die Straße wird hier noch von Autos und Bussen befahren. Einzig die schmalen Gehwege sind mit Sonnenschirmen und Planen überspannt.
Viel Platz finden Fußgänger allerdings auch hier nicht. Denn schon machen sich die ersten Marktstände so breit, dass man kaum aneinander vorbeikommt. Dass dadurch auch die Kunden kaum zu den Ständen gelangen, kümmert die Verkäufer wenig.
Die meisten Bewohner von Chinatown sind chinesischstämmige Thailänder oder Sinothailänder. Auch wenn sich ein Teil von ihnen auch heute noch als Chinese versteht, identifizieren sich die meisten als Thai.
Ihren Wurzeln aber noch bewusst, sind sie jedoch ihrem chinesischen Dekokitsch und Schriftzeichen treu geblieben. Vielleicht soll damit aber auch nur die Erwartungshaltung der Touristen erfüllt werden.
Bald biegen wir in eine der Seitenstraßen ab. Dort wird es zwar kaum ruhiger, doch sind diese bis auf ein paar Lieferwagen autofrei. Dafür sammeln sich hier hunderte Menschen, die nach Schnäppchen in Haufen voller Klamotten und Plastikschlappen suchen. Andere lassen sich von den Gerüchen der Garküchen zum Mittagessen verleiten.
Anstrengend wird es, wenn sich ein Lieferwagen durch die Gasse quetscht und neben den Menschen auch die Sonnenschirme und Plastiküberdachungen weichen müssen. Kaum ist der Wagen vorbei, schließt sich die Gasse wieder.
Erstaunt sind wir über das Obstangebot. So werden neben den typischen südasiatischen Früchten auch richtig schöne Kirschen und Erdbeeren angeboten. Trauben stammen aus den USA. Bei den Garküchen können wir beobachten, wie das Essen mit ordentlich geschnittenem Gemüse und Fisch frisch zubereitet wird.
Es gibt irgendwie keine festen Zeiten für diese privaten Minirestaurants. Während die einen am Putzen und Aufräumen sind, beginnen die anderen, ihre Gewürze klein zu schneiden, bevor alles im Wok landet und über glühende Kohlen gegart wird.
Die nächste größere Straße, die Yaowarat Road, ist wieder befahren und einiges moderner. Auffallend sind hier die vielen großen Werbeschilder in chinesischer Zeichenschrift. Das ist Chinatown wie man es sich vorstellt.
Hier haben sich auch einige Hotels angesiedelt, die vor allem bei Asiaten beliebt sind. Unsere letzten beiden Ziele sind das Chinatown Gate und der Wat Traimit mit dem Goldenen Buddha, bevor wir wieder zum Ratchawong Pier zurückkehren.
Beim Ratchawong Pier angekommen, müssen wir feststellen, dass es einiges einfacher ist, hierher zu finden als wieder wegzukommen. Anders als bei unserer ersten Thailand-Reise sind die Shuttle-Fähren, die zum gegenüberliegenden Ufer pendeln, mit Drehkreuzen ausgestattet.
Nach etwas Rätseln finden wir auf der linken Seite den richtigen Abfahrtpier. Und nach einer Viertelstunde legt das nächste passende Boot an. Diesmal ist eine der billigen Fähren. Im Vergleich zur Schnellfähre ist diese vollgestopft mit Touristen, aber auch Thais, kostet dafür mit 14 Baht nicht einmal die Hälfte.
Chinatown Bangkok gehört zu den Stadtteilen, welche wir immer wieder gerne besuchen. Bei unserer ersten Reise durch Thailand waren wir bereits fasziniert von dem Ort. Alles wirkt chaotisch, funktioniert aber trotzdem. Klar bleibt auch hier die Zeit nicht stehen und ist es ein paar Jahre später auch einiges moderner bei den Chinesen in Bangkok.
Knatternde Zweitakter, dieselrauchende Lkws und hupende Taxis – wer durch Chinatown geht, sollte eigentlich Ohrenschützer tragen. Überall wuselt es, versuchen Händler, ihre Ware an den Kunden zu bringen. Um so lauter, desto schneller müssen die Sachen weg. Es stinkt. Nach was, lässt sich kaum bestimmen.
Mal sind es die Abgase der Motorrikschas und Laster, im nächsten Moment aber auch schon wieder eine Reihe von drei bis fünf Garküchen. Oder doch die beiden Fischstände an der nächsten Ecke? Nein, hier, in der Sampeng Lane, wohnen möchten wir auf keinen Fall.
Ein Spaziergang durch Chinatown jedoch ist mit all seinen vielen Eindrücken ein wahres Erlebnis. Also verlassen wir die berühmt-berüchtigte Sampeng Lane, um die duftenden Eindrücke auf dem Markt Talaad Kao nochmals zu toppen. Hier, in dieser engen Marktgasse, werden gleichermaßen frische wie sackweise Trockenfisch feilgeboten.
Aber auch mit Honig bestrichene Pekingenten, Hühner, allerlei Früchte und – etwas weiter hinten – das gesamte Repertoire asiatischer Lebensmittel finden wir an den Ständen. Außerdem ist die Luft hier noch einen Tick wärmer als auf der offenen Straße, sodass sich die Wasser- und Eisverkäufer kaum über zu geringen Absatz beschweren dürften.
Wie mag es hier wohl vor rund 250 Jahren ausgesehen haben, bevor sich der Königshof auf dem Schwemmland des Menam Chao Phraya ausgebreitet hat? Wir wissen es nicht, hoffen aber, dass sich die Leute, die hier arbeiten, damals besser in ihrer Nachbarschaft ausgekannt haben. Heute kann die Orientierung zur Geduldsprobe werden.
Denn noch bevor wir in die Sampeng Lane mit ihren vielen Juwelier-, Gold- und Seidengeschäften kamen, hatten wir nur eine Straße weiter in einem westlichen Schnellrestaurant ein wenig kühle Luft geschnappt und dabei nach dem Weg in die Sampeng Lane gefragt. Für drei sehr bemühte Angestellte war es trotz unseres Stadtplans ein unlösbares Problem.